Der Gerstensaft für das in gut einer Woche beginnende Volksfest ist getestet und für gut befunden worden. Der Oberbürgermeister erinnert daran, dass die Mess’ in der Historie auch schon mal Grund zum Streit war. 

Ein Artikel von Robert Milde, Augsburger Allgemeine

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über Biergeschmack ganz besonders. Dabei sind in der Welt der Hopfen und Malz-Kenner zwei Fraktionen feststellbar: Die einen bevorzugen möglichst große Mengen für möglichst wenig Geld, die anderen sind gnadenlos auf der Jagd nach der vermeintlich ultimativen Qualität und bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.

Welche Philosophie am Mittwochabend bei der traditionellen Messbier-Verkostung im Ochsenzwinger mehrheitlich vertreten war, lässt sich im Nachhinein schwer feststellen. Tatsache ist jedenfalls, dass es nach der Schließung der Anker-Brauerei im vergangenen Jahr die erste Messbierprobe unter der Ägide des Fürst-Wallerstein-Brauhauses war. „Das ist eine ganz besondere Ehre für uns“, sagte Carl-Eugen Erbprinz zu Oettingen-Wallerstein in seiner launigen Begrüßung, in der er auch begründete, warum neben dem Stadtrat und weiteren Vertretern des öffentlichen Lebens auch zahlreiche Vorstandsmitglieder der Nördlinger Vereine erstmals eingeladen waren: „Wir wollen das Qualitätsurteil über unser neues Messbier auf eine breitere demokratische Basis stellen. Sie sind quasi unsere Botschafter.“ Der Erbprinz betonte, dass man sich in der Brauerei einige Gedanken über Namen und Logo des diesjährigen Festbieres gemacht habe. Durchaus überraschend, dass die naheliegende Lösung noch nie verwendet wurde: Das Festbier 2017 heißt „Nördlinger“. Das habe sich wohl noch niemand getraut, meinte Erbprinz Carl Eugen augenzwinkernd.

Bei so viel Harmonie musste Oberbürgermeister Hermann Faul dann doch ein wenig Essig in den Wein, Pardon, Wasser ins Bier gießen. In seinen Auszügen aus der Geschichte der Nördlinger Mess’ erinnerte er an den Beginn des 19. Jahrhunderts, als die damalige Fürstin von Wallerstein eine Konkurrenzveranstaltung („sogar mit Opernaufführungen“) etablieren und den Bürgern verbieten wollte, nach Nördlingen zu fahren. Der Kaiser höchstpersönlich habe dem Spuk dann nach zwei Jahren ein Ende bereitet und quasi einen „Gebietsschutz“ für die Mess’ erlassen. Faul: „Sie sehen, Nördlingen und Wallerstein waren schon mal weit auseinander, jetzt sind sie wieder eng beisammen.“

Wie schmeckt nun das „Nördlinger“ aus Wallerstein, gebraut unter anderem mit Malz aus Nördlingen und Hopfen aus Spalt? Als Freibier großartig, waren sich die Gäste am Mittwoch im Ochsenzwinger einig. Aber auch für die 7,60 Euro pro Maß, die ab dem 17. Juni auf der Kaiserwiese fällig sind, wird der goldgelbe Gerstensaft (13,5 Prozent Stammwürze und knapp 5,6 Prozent Alkohol) wohl genügend Abnehmer finden. Prost!

Quelle: Augsburger Allgemeine, 8. Juni 2017