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Regionalität darf kein Lippenbekenntnis bleiben!

Persönliche Stellungnahme des Geschäftsführers, Reinhard Holz, zur Bierauswahl 2026 im Festzelt auf der Nördlinger Mess’

Als Geschäftsführer des Fürst Wallerstein Brauhauses habe ich die Entscheidung zur Bierauswahl im Festzelt der Nördlinger Mess’ zur Kenntnis genommen und respektiere sie. Unabhängig davon hat sie bei vielen Bürgern Verwunderung und bei mir persönlich auch Enttäuschung hinterlassen. Mir geht es dabei ausdrücklich nicht um Schuldzuweisungen oder um eine nachträgliche Bewertung einzelner Akteure, sondern um eine grundsätzliche Einordnung der Entscheidungsfindung, der Rolle von Regionalität und deren langfristiger Bedeutung für unsere Stadt.

Die Nördlinger Mess’ ist ein zentrales Ereignis mit hoher symbolischer Kraft. Entscheidungen rund um dieses Fest wirken über den konkreten Anlass hinaus und prägen, welche Werte in Nördlingen als verbindlich gelten. Vor diesem Hintergrund ist weniger das Ergebnis einer einzelnen Entscheidung entscheidend als die Maßstäbe und Verfahren, nach denen sie zustande kommt.

In der öffentlichen Begründung wurde auch auf das Prinzip der Regionalität verwiesen. Dieses Prinzip wird an anderer Stelle konsequent angewandt: So dürfen auf der Mess’ ausschließlich regionale Metzger ihre Produkte anbieten, da sie dauerhaft in der Region produzieren, hier wirtschaftlich verankert sind und kontinuierlich zur lokalen Wertschöpfung beitragen. Diese Logik ist nachvollziehbar und schafft Klarheit.

In diesem Zusammenhang gehört aus meiner Sicht auch der Aspekt der Nachhaltigkeit zur Gesamtbetrachtung. Regionalität bedeutet nicht nur wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort, sondern wirkt sich auch unmittelbar auf den CO₂-Fußabdruck aus. Kurze Lieferwege, eine regionale Logistik und eine direkte Belieferung ohne weite Transportstrecken auf der Straße sind konkrete Faktoren, die sich messbar auf Umwelt und Klima auswirken.

Gerade bei einem städtischen Großereignis wie der Nördlinger Mess’, dass eine hohe öffentliche Sichtbarkeit besitzt, entfalten solche Entscheidungen eine Vorbildwirkung. Nachhaltigkeit und Regionalität greifen hier ineinander und sollten aus meiner Sicht gemeinsam und konsequent berücksichtigt werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb Regionalität beim Bierausschank anders gewichtet wurde. Auch eine regionale Brauerei produziert dauerhaft vor Ort, beschäftigt Menschen aus der Region, arbeitet mit regionalen Partnern und beliefert den Markt kontinuierlich. In ihrer Struktur und regionalen Verankerung erfüllt sie objektiv dieselben Voraussetzungen wie andere regionale Anbieter, die auf der Mess’ zugelassen sind. Hinzu kommt, dass die Entscheidung für überregionale Brauereien vorbereitet und getroffen wurde, ohne dass uns – als regionale Brauerei – zuvor die Möglichkeit eingeräumt wurde, dem Festwirt für die Mess’ 2026 ein Angebot zu unterbreiten oder unsere Leistungsfähigkeit darzustellen. Unabhängig vom Ausgang wäre ein solches Vorgehen aus Sicht regionaler Betriebe ein wichtiges Signal gewesen, dass Regionalität nicht nur als Ergebnis, sondern auch als Bestandteil eines offenen und vergleichbaren Verfahrens verstanden wird.

Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass das Bier unserer Brauerei auf der Mess’ 2025 von vielen Nördlinger Bürgerinnen und Bürgern positiv aufgenommen wurde. Diese Rückmeldungen verstehe ich nicht nur als Argument im Sinne eines Geschmacksurteils, sondern als Hinweis darauf, dass ein regionales Angebot von der Bevölkerung angenommen und getragen wurde.

Die unterschiedlichen Maßstäbe in der Entscheidungsfindung werfen aus meiner Sicht eine grundsätzliche Frage auf: Ist Regionalität ein verbindliches Kriterium, das konsequent angewandt wird, oder ist sie verhandelbar – abhängig vom jeweiligen Bereich? Beide Ansätze sind legitim. Entscheidend ist jedoch, dass diese Frage klar beantwortet und transparent kommuniziert wird.

Für regional verwurzelte Unternehmen wie das Fürst Wallerstein Brauhaus ist diese Klarheit von zentraler Bedeutung. Sie investieren langfristig, denken in Generationen und sind auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Offene Verfahren, frühzeitige Einbindung und nachvollziehbare Kriterien schaffen Vertrauen und Planungssicherheit – unabhängig davon, wie eine Entscheidung im Einzelfall ausfällt.

Die Nördlinger Mess’ hat das Potenzial, auch künftig ein glaubwürdiges Schaufenster regionaler Stärke zu sein. Regionalität entfaltet ihre Wirkung nicht durch einzelne Bekenntnisse, sondern dort, wo sie konsequent, nachvollziehbar und langfristig gelebt wird. Mein Anliegen ist es, diese Perspektive sachlich und konstruktiv einzubringen – mit Blick auf die Zukunft unserer Region und das gemeinsame Verständnis von Regionalität in Nördlingen.